SG 300 Zeichnen: Didaktik#
Der Kurz bietet den Studierenden einen Rahmen, um sich in einer festen Gruppe über einen bestimmten Zeitraum mit dem Thema “Portraitzeichnen” zu beschäftigen.
Grobstruktur Sessions#
Die einzelnen Sessions folgen etwa folgendem Muster:
Kopf der Woche: Wir beschreiben Köpfe der HAW Landshut: Proportionen, Charakteristika, Ausdruck
Gesichtsteil der Woche:
kopf-und-gesicht-komplett; einzelne Teile wie Auge, Nase, Mund, Schädel, Ohren, Haare, Proportionen:einzelne-teileTechnik: Schraffur, Fläche, gleichmäßige Übergänge, Schattierungen, Hell-Dunkel
Klassische Übung aus dem Lehrbuch von
betty-edwardsAustausch und Selbstreflexion über das eigene Lernen: Psychologie des Zeichnen-Lernens
auch Ideengeber:
yadegar-asisi
Didaktische Reduktion#
Grundidee der didaktischen Reduktion: Komplexitätsreduktion durch Konzentration auf das Wesentliche und Verringerung der Freiheitsgrade. Wir machen das so:
Uns genügt eine minimale technische Grundaustattung: weicher Bleistift, glattes Papier (z.B. Kopierpapier), verschiedene Radiergummis, ggf. ein Papierwischer.
Wir zeichnen vorwiegend nach Bildern und nicht nach dem lebenden Modell. (Und ja, es gibt auch gewichtige Gründe für das Zeichnen nach lebendem Modell. Aber insgesamt passen speziell ausgewählte Papiervorlagen besser in unser Gesamt-Arrangement.)
Wir zeichnen auch Kunst ab, insbesondere Fremd- und Selbstporträts großer Meister. So beschäftigen wir uns en passant auch mit Kunstwerken und ahnen, wo die Reise hingehen könnte.
Wir zeichenen aufA6 Postkartengröße. Es geht uns vorwiegend nicht um minutiöses Ausarbeiten von Details, sondern um die schnelle (oftmalige, niederschwellige, nicht zeitintensive etc.) Skizze von wesentlichen Bildelementen.
Ausgewählte Vorlagen werden digital und ausgedruckt in A6 Postkartengröße bereitgestellt.
Abmessungen und Proportionen können 1:1 in die Zeichnung übernommen werden – zur Not auch mit Durchpausen der groben Proportionen.
Die Vorlagen liegen auch digital (mit Creative Commons oder Public Domain Lizenz) vor und sind so in beliebiger Vergrößerung studierbar.
Eine der großen Herausforderungen sind die Proportionen eines Gesichts und Kopfes. Diese lassen sich durch häufig, schnell gezeichnete, kleinformatige Skizzen (bis hin zur Briefmarkengröße) besser erlernen als in großen Formaten.
Metakognition#
In dem Kurs lernen wir Zeichnen nur indirekt. Tatsächlich lernen wir am Beispiel des Portraitzeichnens, wie man sich selbstbestimmt eine Kunstfertigkeit theoretisch und praktisch aneigenen kann. Zu einem wesentlichen Teil ist unser Kurs ein Kurs in selbstverantwortetem Lernen als Vorstufe zu autodidaktischem Lernen.
Der Begriff “didaktischer Kurzschluss” bezeichnet die (Fehl-) Annahme, dass Lernende lernen, indem der Dozent lehrt. Richtig ist dass Lernen eine Tätigkeit ist, die man nicht an einen Lehrer abgeben kann, sondern die man selbst tun muss. Unser Kurs versucht, nicht der Fehlannahme des didaktischen Kurzschlusses zu erliegen. Deshalb wird großer Wert auf Selbststeuerung und Metakognition gelegt.
Selbstverantwortet (und auch autodiaktisch) zu lernen bedeutet nicht, dass man alleine oder ohne Unterstützung lernt. Sondern es geht darum, sich die richtigen Ressourcen geeignet zugänglich zu machen und zielgerichtet zu nutzen. Zu solchen Ressourcen gehören nicht nur Medien, sondern auch Menschen: eine Community von anderen Lernenden; Menschen, die laienhaftes oder professionelles Feedback geben; professionelle Zeichenlehrer, die einem bestimmte Techniken interaktiv beibringen. Autodiaktisches Lernen ist dadurch gekennzeichnet, dass man zwar Lehrer zielgerichtet einsetzt, die Verantwortung für sein Lernen nicht an den Lehrer delegiert, sondern bei sich selbst behält. Der autodidaktische Lerner bleibt eigener Generalunternehmer seines gesamten Lernprojekts.
In unserem Kurs “Portraitzeichnen” sehe ich als Dozent meine primäre Aufgabe darin, einen geeigneten technischen, medialen und sozialen Kontext herzustellen, der einer Gruppe von Lernenden selbstgesteuertes Lernen ermöglicht. Dazu wähle ich Lernziele aus, strukturiere Inhalte sachlogisch und zeitlich, ordne sie Einzel- und Gruppenlernphasen geeignet zu und konfiguriere sie. In Phasen der Metakognition reflektieren wir unser Lernen in dem jeweils so angebotenen Lernkontext.
Rollenverständnis nach TZI#
Die Veranstaltung lehrt nicht ein geschlossenes Curriculum, sondern öffnet Lernmöglichkeiten. Als leitende Idee für unsere Kommunikation dient uns die Gruppenleitungsmethode https://de.wikipedia.org/wiki/Themenzentrierte_Interaktion (TZI):
Unser gemeinsames Thema ist Portraitzeichnen.
Jeder ist für sich verantwortlich, für sich selbst und seine eigenen Ansprüche an das Thema die Verantwortung zu übernehmen.
Nicht jeder lernt alleine, sondern wir bilden eine Lerngruppe. An jeder Sitzung tauschen wir uns zu einem anderen gemeinsamen Detai-Thema aus: Physiognomie, Zeichentechnik, Lerntechnik, künstlerische Aspekte.