Konzept

Im Landshuter Probenorchester probieren (=üben) wir das Proben mit einem Orchester.

Wir sind daran interessiert, einer Vielzahl von Gruppen eine Plattform für den gemeinsamen Austausch zur Ensembleleitung zu bieten. Gespräche sind in Gang u.A. mit Verband evangelischer Posaunenchöre e.V. Bayern, Landesposaunenwartin Kerstin Dikhoff | Bezirksposaunenchor Landshut, Leitung: Bezirksposaunenwart Peter Horsche | Kolping-Blaskapelle Landshut, Wolfgang Maier | Städtische Musikschule Landshut, Claudio Temporale | Der Musikbund von Ober- und Niederbayern e.V. (MON) | Volksmusik Niederbayern

Irgendwann, wenn wir groß sind ;-) und mit 80 Musikern Mahler- und Bruckner-Sinfonien proben, sind alle Instrumente willkommen. Vorläufig und in der Gründungsphase sind wir aber vorwiegend ein (Blech-) Blasorchester:

  • bevorzugt und im Normalfall Blechblasinstrumente
  • gerne auch Holzblasinstrumente im tiefen und mittleren Register

Im Normalfall spielen wir klingend "in C", teilweise auch "Posaunenchor-Notation" genannt.

  • Durch die klingende Notation haben wir eine gemeinsame Notations-Basis, die uns als Spieler den fliegenden Wechsel zwischen verschiedenen Stimmen ermöglicht.
  • Wir können auf eine immense Menge von frei verfügbarer Literatur aus Barock, Renaissance und Frühklassik zurückgreifen, ohne jedesmal spezifische Notenauszüge für jedes mögliche Instrument herstellen zu müssen.
  • Trompeter, die normalerweise in B spielen, erhalten Gelegenheit, in der C-Stimmung Sicherheit zu gewinnen.
  • Wer sicher in C spielen kann, dem steht die gesamte Ausbildungsvielfalt der Evangelischen Posaunenchor-Szene offen.
  • Wer ein neues - vielleicht sogar selbst arrangiertes - Stück mitbringt kann sicher sein, dass mit den konkret vorhandenen Musikern alle Stimmen abgedeckt werden können.
  • Dirigenten können sowieso jeden Schlüssel in jeder beliebigen Transposition fließend lesen ;-)

Das Orchester wird gebildet von uns selbst: Die Mitglieder des Landshuter Probenorchester bilden ihr eigenes Probenorchester.

  • Man kann auch als erfahrener Dirigent andere Dirigierpersönlichkeiten aus Teilnehmerperspektive erleben.
  • Man kann den Kollegen vorne am Pult Rückmeldung geben, welche Dirigierbewegungen oder Probenelemente hilfreicher sind als andere.
  • Man kann als Spieler in geschütztem Rahmen experimentell auch mal andere Stimmen, andere Notationen, ggf. auch andere Instrumente ausprobieren (eine Tuba ist z.B. vorhanden).
  • Und nicht zuletzt: Man kommt selbst mal wieder einfach "nur so" zum Spielen.

Autodidaktisches Lernen

  • Wir haben keinen Dozenten oder Lehrer, dem wir die Verantwortung für unser Lernen anvertrauen, sondern wir lernen selbstverantwortet oder autodidaktisch (s.u.)
  • Das Probenorchester bildet lediglich das "Instrument" für angehende Dirigenten, ohne das Lernen nicht möglich ist.
  • Doch auch wenn wir autodidaktisch lernen und uns kollegial beraten, heißt dies nicht, dass wir unter uns alleine bleiben, im Gegenteil:
    • Wir laden Dozenten ein.
    • Wir besuchen gemeinsam Workshops anderer Träger.
    • Wir bringen uns das Wichtigste abwechselnd selbst bei.
  • Die Stärke des Konzepts liegt darin, dass wir "Generalunternehmer in eigener Sache" sind, und uns genau deshalb möglichst vielfältige externe Ressourcen organisieren.

Dirigieren üben vs. Dirigieren lernen

Wichtigster Zweck der Probenorchesters ist es, das, was man neu gelernt hat, zu üben. Im Zyklus "Kennenlernen -- Ausprobieren -- Üben" steht es also an der praktischsten Stelle: Das Lapo will ein Rückkanal sein für Dirigieren im Sinne von Taktieren (psychomotorische Ebene) und im Sinne von Ensembleleitung (psychosoziale Ebene).

Damit versucht das Probenorchester einen Magel aufzufangen: Angebote, Dirigieren zu lernen gibt es viele - zu üben jedoch kaum. Deshalb ist ein Drigient ohne Instrument ein armer Tropf, denn er kann nicht üben, was er gelernt hat. Ein musikalisch befriedigendes Orchester zu mieten ist teuren Manager-Trainings vorbehalten. Unser Probenorchester bietet eine Alternative: Man gibt Zeit, um Zeit zu bekommen.

Die Zeit, in der man (noch als Lernender und in Anwesenheit eines Coaches) vor einem Orchester stehen kann, ist also äußerst knapp bemessen. Auch an einem verlängerten Wochenendkurs kann man die Zeit vor dem Orchester erfahrungsgemäß in Minuten zählen. Deshalb haben wir im Probenorchester zwei "Betriebsmodi":

  • Tutti: Das Probenorchester ist als Orchester versammelt. Im Vordergrund steht das praktische Üben des Dirigats. Tutti-Zeit ist sehr, sehr wertvoll.
  • Anderswo: Im Vordergrund steht die Vorbereitung von Tutti-Zeit durch sogenannte "kognitive Vorwegnahme", Erklärungen, Reflexion u.V.m. zum Dirigieren, sozusagen die Theorie. Alles, was davon auch ohne Tutti geht, hat in den Tutti keinen Platz.

Tutti

Wichtigste Aufgabe der Tutti-Abende im Probenorchester ist es, praktische Dirigierzeit und Ensembleleitungszeit ermöglichen. Dazu muss alles ausgegliedert werden, wozu nicht unbedingt die Anwesenheit eines spielfähigen ganzen Orchesters nötig ist. An den Tutti-Abenden wird praktisch geübt, was man sich (a) vorher angeeignet hat, und was man (b) nicht anderswo üben kann.

Für alles, was man auch anderswo üben oder lernen kann, ist die Orchester-Zeit viel zu teuer und viel zu wertvoll. Das ist in jedem Orchester so: Gemeinsam übt man genau das, was nur gemeinsam geht. Sich ein Stück erarbeiten, Noten lesen, schwierige Passagen üben tut man zuhause.

Also: In unseren zweiwöchentlichen Tutti-Proben wird das Dirigieren (incl. Ensembleleitung) geübt - erlernt wird es anderswo. Wo oder was ist "Anderswo"?

Anderswo

Lernen "Anderswo" im Landshuter Probenorchester kann frei nach den Bedürfnissen der Teilnehmer stattfinden, sei es fremdverantwortet, selbstverantwortet oder autodidaktisch.

Bei fremdverantwortetem Lernen übergibt man an einen Lehrer die Hauptverantwortung dafür, dass man etwas lernt. Der Lehrer ist aktiv, erklärt, zeigt, stellt Aufgaben, unterstützt bei der Lösungsfindung, korrigiert, gibt Feedback. Die wichtigste Aufgabe des Lehrers bei fremdverantwortetem Lernen besteht darin, uns anzutreiben und unseren inneren Schweinehund zu besiegen. Wir bezahlen ihn, damit er uns Selbstverantwortung abnimmt.

Bei selbstveranwortetem Lernen übernimmt man selbst mehr Verantwortung für das eigene Lernen - auch mit Lehrer. Der Lehrer ist immer noch aktiv, erklärt, zeigt, stellt Aufgaben, unterstützt bei der Lösungsfindung, korrigiert, gibt Feedback. Aber weil der Antrieb und die Verantwortung für unser Lernen aus uns selbst kommt, muss der Lehrer kein Domteur mehr sein für unseren inneren Schweinehund. Im Gegenteil: Ein guter Lehrer lässt uns möglichst viel selbst machen, selbst ausprobieren, selbst erschließen. Er lehrt, indem er unser Lernen lediglich unterstützt, aber nicht antreibt. Das Gebot der Stunde heiß hier "Minimale Hilfe", "Hilfe zur Selbsthilfe" oder nach Maria Montessori "Hilf mir, es selbst zu tun".

Unter autodidaktischem Lernen kann man selbstverantwortetes Lernen verstehen, bei dem man mglichst viele Lehrfunktionen selbst übernimmt, die man sinnvollerweise übernehmen kann. Das heißt nicht, dass man alleine lernt, im Gegenteil: bestimmte Themen erfordern einen Diskussions- oder Sparring-Partner; und manchmal macht eine Lerngruppe einfach mehr Spaß.

Besonders während des Einstiegs in ein neues Gebiet ist es dringend ratsam, sich frühzeitig Feedback zu holen: In der Architektur und im Software-Engineering weiß man, dass Fehler in der Anforderungsanalyse ein ganzes Projekt zum Wanken bringen können. Auch beim Erlernen eines Instruments sollte man tunlichst vermeiden, sich falsche Bewegungsabläufe, eine falsche Haltung oder einen falschen Ansatz anzugewöhnen - so etwas zu reparieren kostet of unglaubliche Mühe. (Gilt ähnliches auch für die Schlagtechnik beim Dirigieren? Ich weiß es nicht.)

Begleitendes Kursangebot?

Für Einsteiger am komfortabelsten ist sicherlich ein klassischer Kurs, der auf fremdverantwortetes Lernen setzt. Für die Grundlagen der Schlagtechnik genügt als Trocken-Einstieg ein Wochenend- oder Schnupperkurs. Um einen Gesangbuch-Choral mit Auftakt und Fermate dirigieren zu lernen, sind die Einsteiger-Gruppen in den Chorleiter-Kursen der Evangelischen Posaunenchorverbände sehr zu empfehlen; auch die säkularen Blasmusikverbände verfügen hier über ein differenziertes Angebot.

Wer lieber selbstverantwortet lernt, wird sich alten und neuen Medien zuwenden. Das reine Taktschlagen kann man sich vielfältig bei Youtube anschauen, und für die Themen Ensembleleitung und Partiturvorbereitung gibt es einige hervorragende Bücher am Markt. Besonders empfehlenswert sind didaktisch als Lehrgang aufbereitete Bücher mit beigelegter DVD, in denen sich Text und Video systematisch und konsistent ergänzen.

Falls genügend Nachfrage besteht, können wir uns im Probenorchester auf professionelle Lehrer einkaufen, die uns fremdverantwortet Dirigieren beibringen, oder die uns als Coach in unserem selbstverantwortetem Lernen unterstützen. Für solche "Unterrichts"-Sitzungen sind laut Konzept allerdings nicht die Tutti-Proben, sondern gelegentliche Extra-Sitzungen vorgesehen. Sinnvoll scheint es, hier in Kleingruppen von 3-5 Lernenden plus Lehrer zu arbeiten.